Die natürliche Geburt

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Nach 40 Wochen die eine normale Schwangerschaft dauert, kommt es endlich zur aufregenden Geburt und die Mutter sieht zum erstenmal ihr Kind.
Wenn man weiß und versteht was dabei passiert, erlebt man die Geburt bewusster und aktiver.

Das größte und vorab vielleicht auch manchmal ängstigendste Erlebnis im Leben einer Frau ist die Geburt ihres Kindes. Nichts wird jemals so viel Eindruck hinterlassen wie der erste Blick auf das neugeborene Baby, die erste Berührung außerhalb des Körpers, der erste Laut des kleinen Wesens. Die Wehen sind dann schnell vergessen und ein neuer Lebensabschnitt beginnt für die ganze Familie. Doch bis dahin ist es ein Weg aus drei Geburtsphasen, den jede Frau gehen muss.
Was passiert bei der Geburt eines Babys?
Bisher lag das Baby wohlig im Fruchtwasser, umgeben von der Fruchtblase und ernährt von der Plazenta, mit der es über die Nabelschnur verbunden ist. Wenn man von einer normalen, komplikationsfreien Geburt ausgeht (was der häufigste Fall ist), dann liegt das Baby mit dem Kopf nach unten im Becken der Mutter. Die Fruchtblase ist geschlossen, ebenso der Muttermund. Evtl. ist der Muttermund auch schon leicht geöffnet.
Damit das Baby auf die Welt kommen kann, müssen zwei Dinge erreicht werden. Der Muttermund muss weich werden, so dass er sich zu 10 cm Durchmesser öffnen kann. Das Baby muss sich in die richtige Geburtsposition begeben, d.h. tiefer ins Becken rutschen und möglichst mit dem Gesicht zum Rückgrat der Mutter gewandt sein (vordere Hinterhauptslage = HHL).

Die Geburt wird in 3 Phasen unterteilt:

1. Phase der Geburt: Eröffnungsphase
Die Gebärmutter ist ein Muskel. Zieht dieser Muskel sich zusammen und löst sich wieder, dann reden wir von Wehen. Sind die Wehen regelmäßig, von steigender Intensität und gehen nicht vorüber wenn sich die werdende Mutter bewegt, dann beginnt aller Wahrscheinlichkeit nach die erste Phase der Geburt, die Eröffnungsphase. Oft geht dabei der Schleimpfropf ab und man spricht von einer "Zeichnungsblutung" bzw. "Zeichnung".

Der Muttermund (Cervix) ist zu Beginn der Geburt etwa so hart wie die Nasenspitze und am Ende so weich wie das Ohrläppchen. Wie bei einem harten Stück Knete, das man knetet und knetet bis es weich wird, weichen die Wehen den Muttermund auf, so dass dieser dehnbar wird. Das bedeutet je mehr und effektiver die Wehen, desto weicher wird der Muttermund und desto schneller öffnet er sich. Zugleich wird das Baby durch die Wehen in eine bessere Ausgangsposition geschoben, die es ihm ermöglicht, den Geburtskanal zu passieren.
Man hört manchmal von spontanen Entbindungen im Badezimmer oder Taxi. So etwas ist allerdings die Ausnahme und auf jede solcher Geburten kommt auch eine, die dafür umso dauert. Im Durchschnitt dauert die erste Phase zwischen sieben und zehn Stunden. Der Muttermund öffnet sich in der Regel pro Stunde um ca. 1 cm.
Je weiter sich der Muttermund geöffnet hat, desto weiter kann auch die Fruchtblase mit dem Baby hinunter geschoben werden. Die Hebamme kann das Kind schon etwas sehen. Steigt der Druck durch die Wehen weiter, platzt die Fruchtblase meist von allein - manchmal wird auch ein wenig nachgeholfen. Vielleicht kommt dabei ein Schwall Fruchtwasser heraus, vielleicht aber wirkt Babys Köpfchen wie ein Stöpsel und verschließt den Muttermund.

2. Phase der Geburt: Austreibungsphase
Nachdem der Muttermund eine Weite von 10 cm erreicht hat und die Presswehen beginnen, spricht man von der zweiten Phase - auch Austreibungsphase genannt. Die Wehen verändern sich und viele Frauen haben den starken Drang zu pressen. Die ganze Bauchdecke spannt sich und ein sehr hoher Druck entsteht. Der Kopf des Babys wird in den Geburtskanal gedrückt und tritt dann an der Scheide aus. zunächst. Dem Kopf folgt die vordere Schulter und nach und nach der Rest des Körpers. Das Baby wird so schnell wie möglich in ein vorgewärmtes Tuch gewickelt, die Hebamme begutachtet das Kind (APGAR) und legt es dann sofort der Mutter auf die Brust.

3. Phase: Die Nachgeburt
Diese Phase bleibt von der Schwangeren meist weitgehend unbemerkt. Während sie sich mit dem Begutachten, Kuscheln und Stillen des Babys beschäftigen, sorgen weitere Wehen dafür, dass sich die Plazenta von der Uteruswand ablöst und ebenfalls geboren wird - man spricht daher von der "Nachgeburt". Die Plazenta muss unbedingt vollständig sein, andernfalls können Entzündungen und andere Komplikationen entstehen. Weiterhin sorgen Wehen dafür, dass Blutungen in der Gebärmutter gestillt werden. Die Hebamme wird diesen Vorgang genau beobachten und die Plazenta auf ihre Vollständigkeit und ihren Zustand überprüfen.