Allergien

Was ist eine Allergie

Das aus dem griechischen stammende Wort "Allergie" bedeutet: Bis zur Überempfindlichkeit gesteigerte Immunreaktionen des Organismus auf körperfremde Substanzen, die "Allergene".

Fast jeder Stoff kann allergieauslösend werden und unterschiedliche Beschwerden verursachen. Diese Allergene bewirken sofort nach ihrem Eindringen in den sensibilisierten Organismus allergische Veränderungen an Haut und Schleimhäuten, die jedoch nur von kurzer Dauer sind.

Bei häufiger Einwirkung des Allergens entstehen allergische Krankheiten. Die Liste der bislang bekannten Allergien ist endlos und die vielfältigen Ursachen leider noch nicht ausreichend erforscht.
Neben den Erbfaktoren, der zunehmenden Umwelt-Verschmutzung durch die heutige moderne Lebensform, einer ungesunden Lebens- und Ernährungsweise haben auch psychische Faktoren einen Einfluss auf Allergien.

ALLERGIEN NEHMEN ZU

Rund 25-50% aller Babys, Kinder und Jugendlichen sind von einer Allergie betroffen. So kommt heute in etwa jedes dritte Baby mit einem erhöhten Allergierisiko auf die Welt. Babys können bereits im Mutterleib spezifische Antikörper als Zeichen der Sensibilisierung bilden. Somit ist eine Allergie in jedem Alter möglich. Das Risiko, an einer Allergie zu erkranken steigt allerdings immens, wenn ein oder beide Elternteile Allergiker sind. 50-60% beträgt das Risiko, wenn beide Eltern Allergiker sind. Wenn ein Elternteil Allergiker ist, liegt das Risiko bei 30-40%. Sind beide Eltern keine Allergiker, liegt das Risiko immer noch bei ca. 10-15% liegen. Diese familiäre Veranlagung wird als Atopie bezeichnet. Heuschnupfen, Neurodermitis (bekannt auch unter den Namen atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem) und allergisches Asthma sind die häufigsten im Säuglings- und Kleinkindalter auftretenden allergischen Erkrankungen. Sie alle gehören zum atopischen Formenkreis.
Die Ausprägung und Form der atopischen Erkrankungen sind ganz unterschiedlich. Verschiedene Langzeitstudien haben ergeben, dass bei vielen Kindern, die im ersten Lebensjahr eine Neurodermitis entwickeln, bis zum Schulalter eine Rückbildung der Erkrankung zu verzeichnen ist. Bei anderen Kindern ist das Ekzem jedoch auch eine Vorstufe für eine allergische Atemwegserkrankung. Sie leiden später unter Heuschnupfen oder unter allergischem Asthma.

DIE ALLERGENE UND DAS IMMUNSYSTEM

Bei den meisten Allergenen handelt es sich um Proteine (Eiweiße), die beispielsweise als Bestandteile von Pflanzen (Pollen), Tieren (Hausstaubmilben, Tierhaare, Insektengift) oder Nahrungsmitteln in den menschlichen Organismus gelangen und dort, vom Immunsystem bekämpft werden, obwohl sie eigentlich harmlos sind. Warum es zu solch einer Reaktion des Immunsystems kommt, ist nicht leicht zu beantworten.

Bekannt ist, dass für die Prägung des Immunsystems die ersten Lebenswochen und -monate von Bedeutung sind. Damit der Körper eine funktionsfähige Abwehr und notwendige Schutzmechanismen gegen körperfremde Substanzen aufbauen kann, muss sich das heranreifende Immunsystem mit vielen Fremdstoffen (Antigenen) auseinandersetzen. Es muss lernen, zwischen unschädlichen und schädlichen Substanzen zu unterscheiden und erstere zu tolerieren. Doch genau hier wird es oft fehlgeleitet.

Wenn der Organismus nicht mit Toleranz reagiert, sondern fälschlicherweise Abwehrmaßnahmen einleitet, also eine Allergie entwickelt, hängt dies nicht allein von der genetischen Veranlagung ab. Offensichtlich spielen auch Umwelteinflüsse und vor allem der Zeitpunkt des ersten Allergenkontakts und die Menge der Aufnahme eine Rolle. Vor diesem Hintergrund sollte man unbedingt den frühen Kontakt mit potenziellen Allergenen und eine frühe Sensibilisierung des Säuglings vermeiden. Dies gilt in besonderer Weise für alle Kinder, die aus einer vorbelasteten Familie stammen.

HÄUFIGSTE ALLERGIE-AUSLÖSER BEI KINDERN

  • Nahrungsmittel: Kuhmilch, Fische, Nüsse, Hühnereiweiß
  • Insektengift: Biene, Wespe
  • Medikamente: Penicillin, Kontrastmittel, Allergenextrakte

SYMPTOME EINER ALLERGIE

  • Entzündete Augenlider, feucht und verklebt oder sehr trocken
  • Geschwollene Augenlider
  • flächenhafte, juckende Hautrötung mit Bläschen, Krustenbildung und Schuppen
  • stark juckende Quaddeln
  • Erbrechen
  • Blutiger Stuhl
  • Durchfall
  • Kolikartige Bauchschmerzen
  • Asthmatische Symptome
  • Heuschnupfen
  • Entzündeter Hals
  • Akute Atemnot

FRÜHSYMPTOME EINER ALLERGIE BEI KINDERN

  • Quaddeln
  • Hautrötungen mit Hitzegefühl
  • Juckreiz
  • Bauchschmerzen
  • Juckende Augen und Nase

NAHRUNGSMITTELSENSIBILISIERUNG BEI BABYS

Bei Säuglingen besteht ein besonders hohes Sensibilisierungsrisiko durch die Ernährung. Denn im ersten Lebensjahr ist der Magen-Darm-Trakt die Haupteintrittspforte für Fremdstoffe. Ab der dritten bis vierten Lebenswoche werden die Abwehrzellengebildet, die hauptsächlich für die Immunabwehr im Darm verantwortlich sind. Erst dann können sie in der Schleimhaut des Darms wie eine Barriere gegen Fremdstoffe wirken.

Allerdings ist die Darmschleimhaut bei Säuglingen in den ersten sechs Monaten noch wesentlich durchlässiger als im späteren Leben, so dass ihre Barrierefunktion längere Zeit eingeschränkt bleibt. Somit können auch größere, noch nicht abgebaute Eiweißmoleküle aus der Nahrung leichter passieren. Folglich wächst das Risiko von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und allergischen Reaktionen.

Muttermilch gilt als der optimale Schutz vor Krankheiten und Allergien. Kinderärzte und Allergologen raten daher, Säuglinge vier bis sechs Monate ausschließlich zu stillen. Dies gilt insbesondere für Kinder, die aus einer Familie mit erhöhtem Allergierisiko stammen.
Mütter die nicht ausschließlich stillen können, wird empfohlen, allergiegefährdete Kinder mindestens bis zum Alter von vier Monaten mit allergenarmer (hypoallergener) Säuglingsnahrung zu ernähren.

Bei dieser auch als HA-Nahrung bezeichneten Säuglingsnahrung ist das enthaltene Milcheiweiß bereits aufgespalten, um so die Allergenität zu senken. Ganz entscheidend für die allergiepräventive Wirkung der HA-Nahrung ist dabei die Art der Zerkleinerung des Milcheiweißes, d. h. es muss an den richtigen Stellen aufgespalten werden. Hierin unterscheiden sich die verschiedenen HA-Nahrungen.
Nicht empfehlenswert sind Produkte auf Basis von Sojaeiweiß, die immer wieder als Ersatz zu tierischem Eiweiß angeboten werden. Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin weist ausdrücklich darauf hin, dass Säuglingsnahrungen aus Sojaeiweiß kein Ersatz für Kuhmilchprodukte sind. Sojanahrung ist nicht für die Ernährung gesunder Säuglinge geeignet und besitzt keinen allergiepräventiven Effekt. Auch für Produkte aus Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch konnte bislang keine allergievorbeugende Wirkung nachgewiesen werden.

SO KANN MAN VORBEUGEN

  • Nach dem Stillen abwechslungsreiche Ernährung: Möhren, Kartoffeln, Erbsen, Mais, Reis, Bananen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche
  • Auf Fertigprodukte verzichten, denn sie enthalten oft allergene Lebensmittel, obwohl sie ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe hergestellt wurden
  • Im ersten Lebensjahr keine allergieauslösenden Lebensmittel, wie Fisch, Kuhmilch, Nüsse, Südfrüchte, Hühnerei und Sojaprodukte geben
  • Keine Haustiere
  • Die Kuscheltiere des Kindes regelmäßig waschen
  • Die Wohnung möglichst staubfrei halten

KREUZALLERGIEN

Weil sich die Allergene, mancher Stoffe in ihrer Struktur sehr ähneln, kommt es über die ursprüngliche Allergie hinaus mitunter zu sogenannten Kreuzreaktionen. Kreuzallergien können auftreten, müssen es aber nicht. Ihre Ursache findet sich im Immunsystem und hängt eng mit den Ablauf der allergischen Reaktion zusammen. Bei einer Kreuzallergie spricht man auch von einer pollenassoziierten Lebensmittel-Allergie genannt.
Pollenassoziierte Lebensmittel-Allergien entwickeln sich häufig im Erwachsenenalter. Vor allem bei einer Pollenallergie auf früh blühende Bäume und Sträucher (Birke, Erle, Hasel) treten oft gleichzeitige Lebensmittel-Allergien auf. Über 50 Prozent der Birkenpollen-Allergiker die auf Birke, Erle und Hasel reagieren, vertragen hauptsächlich Nüsse und einige rohe Obstsorten aus der Familie der Rosengewächse, wie Apfel, Birne, Pfirsich, Pflaume, Kirsche und Mandel nicht. Allergien auf Kiwi, Litschi oder Avokado treten eher dann auf, wenn auch weitere Pollenallergien (auf Beifuss) vorliegen.

MÖGLICHE KREUZREAKTIONEN

Birkenpollen: Hasel- und Walnüsse, Mandeln, Karotten, Sellerie, Kern- und Steinobst je im rohen Zustand

Gräserpollen: Hülsenfrüchte (z.B. Erdnüsse), rohe Tomaten, selten: Getreidemehle, Weizen und Roggen

Beifußpollen: rohe Kartoffeln, Paprika, Sellerie, rohe Tomaten, Melone, Kiwi, versch. Gewürze/Kräuter (Kümmel, Anis, Koriander)

Traubenkrautpollen: Banane, Gurke, Melone; Zucchini, grüner Salat

  • Einzelne Obst- und Gemüsesorten werden durch Schälen oder Erhitzen verträglicher
  • Apfelkompott anstelle von rohen Äpfeln
  • Kirschen verarbeitet (z.B. im Kuchen) als Alternative zur frischen Variante
  • Speziell bei Äpfeln gibt es Sortenunterschiede. Apfelsorten wie Altländer, Gloster und Hammerstein sind gut verträglich
  • Kreuzreagierende Lebensmittel können während der Pollenzeit schlechter verträglich sein